1) In Sure 92 (Al-An’am) heißt es, dass diejenigen, die an das Jenseits glauben, auch an diesen Koran glauben.
– Aber Christen und Juden glauben an das Jenseits, glauben aber nicht an den Koran. Liegt hier nicht ein philosophischer Widerspruch vor?
2) Und welche Verbindung besteht zwischen dem Gebet und dem Jenseits, dass in diesem Vers nur das Gebet unter allen Gottesdiensten hervorgehoben wird?
Lieber Bruder, / Liebe Schwester,
Antwort 1:
Zu diesem Vers gibt es verschiedene Auslegungen. Einige der wichtigsten sind folgende:
a)
Im Prinzip fürchten sich diejenigen, die an das Jenseits glauben, vor der dortigen Rechenschaft und Strafe. Diese Furcht bewegt sie zum Glauben.
(siehe dazu die entsprechende Stelle bei Zamakhshari)
b)
Wer an das Jenseits glaubt, glaubt auch an die von Gott verheißenen Belohnungen und Strafen, an Himmel und Hölle. Wer daran glaubt, beginnt, über die Existenz und Einheit Gottes und die Wahrheit der Prophetenschaft nachzudenken und zu forschen, um den Himmel zu erlangen und der Hölle zu entgehen. Dieses Nachdenken und Forschen führt ihn zum Glauben.
Außerdem ist der Islam eine Religion,
(nach dem Monotheismus)
Es basiert auf dem Glauben an das Jenseits. In keiner anderen Religion wird das Thema des Jenseits so ausführlich behandelt.
Daher sind der Islam und der Glaube an das Jenseits untrennbar miteinander verbunden. Wer an das eine glaubt, muss auch an das andere glauben. Der Vers weist auf diese Tatsache hin.
(vgl. Razi, Beyzavi, Ibn Acibe, Ibn Aschur, jeweilige Stellen)
c)
Manchen Gelehrten zufolge ist diese Aussage eine Zurechtweisung und Warnung an die Mekkaner. Sie weist darauf hin, dass der eigentliche Grund für den Unglauben der Mekkaner im Islam ihr Unglaube an das Jenseits liegt. Es ist kaum nachvollziehbar, dass jemand, der nicht an die Belohnung und Bestrafung im Jenseits glaubt, einer Religion beitritt und deren Pflichten übernimmt, seine Stellung und seinen Rang, seine weltlichen Vorteile aufgibt.
(siehe Razi, entsprechende Stelle)
d)
Die Bedeutung dieses Verses lautet wie folgt:
Diejenigen, die an das Jenseits glauben, sind die Gläubigen, die an den Koran glauben.
Ob sie nun Schriftbesitzer sind oder nicht,
Wer nicht an den Koran glaubt, dessen Glaube an das Jenseits ist auch nicht gültig.
Denn in anderen Religionen wird das Thema des Jenseits nicht so detailliert und explizit behandelt wie im Koran.
Die Bedeutung dieses Verses ist also,
Die Gläubigen sind diejenigen, die an den Koran glauben.
Was danach kommt / Was darauf folgt
„Sie halten ihre Gebete ein.“
Auch dieser Satz verdeutlicht dies.
(siehe Ibn al-Dschauzi, al-Qurtubi, al-Maraghi, jeweilige Stelle)
Mit dieser Aussage wird darauf hingewiesen, dass der Glaube an das Jenseits der Ahl al-Kitab, die nicht an den Islam glauben, ebenfalls nicht gültig ist.
e)
Einige Gelehrte vertreten die Ansicht, dass im Vers der Glaube an den Islam und der Glaube an das Jenseits als untrennbar miteinander verbunden dargestellt werden. Demnach,
Der Glaube an das Jenseits erfordert den Glauben an den Koran.
Denn die Belohnungen und Strafen des Jenseits werden im Koran am detailliertesten und deutlichsten beschrieben.
(siehe Schawkani, entsprechende Stelle)
f)
Wir können dieses Thema wie folgt zusammenfassen:
Die Wahrheit über den im Vers hergestellten Zusammenhang zwischen dem Glauben an das Jenseits und dem Glauben an den Islam ist folgende: Ob nun Angehörige der Schriftreligionen
(Jüdisch und Christlich)
Ob man nun an das Jenseits glaubt oder nicht, wer aufrichtig und wahrhaftig an das Jenseits glaubt, glaubt gleichzeitig auch an die Existenz und Einheit Gottes. Denn nur Gott ist es, der das Jenseits bringt und Belohnung und Strafe vergibt.
Wer an die Existenz eines Jenseits als Ort der Rechenschaft vor Gott glaubt, muss auch an die Existenz von Religionen glauben. Denn ohne Religion gibt es keine Prüfung, ohne Prüfung keine Belohnung und Strafe, und ohne beides kein Jenseits.
Also,
Wer an das Jenseits glaubt, muss an Gott, die Propheten, die heiligen Schriften und die Religionen glauben.
Wer an andere Propheten glaubt, aber nicht an den Propheten Mohammed (Friede sei mit ihm), begeht eine schwere, unverzeihliche Sünde.
Insbesondere der Glaube an das Jenseits, der unerschütterlich sein muss, erfordert den Glauben an den Koran. Denn eine schönere Beschreibung des Jenseits gibt es nicht.
Es ist ein Problem der Logik und des Verstandes, dass jemand, der eine Silbermine erforscht und findet, nicht auch die direkt daneben liegende Goldmine erforscht und findet.
Das bedeutet, dass der Glaube an das Jenseits derjenigen, die nicht an den Islam glauben, den der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) gebracht hat, nicht fest und gültig ist.
Antwort 2:
Der Vers betont zwei wichtige Eigenschaften derer, die aufrichtig an das Jenseits glauben.
Erstens,
An den Koran und an den Propheten Mohammed (Friede sei mit ihm) glauben…
Zweitens,
Die fünf täglichen Gebete regelmäßig verrichten.
– Die besondere Erwähnung des Gebets deutet darauf hin, dass es ein Inbegriff aller anderen Gottesdienste und ihnen allen überlegen ist.
– Wer mit starkem Glauben und aufrichtig betet, dessen Gebet wird ihn dazu bringen, auch seine anderen religiösen Pflichten zu erfüllen und von Sünden Abstand zu nehmen.
– Die besondere Betonung des Gebets im Vers deutet darauf hin, dass es nach dem Glauben die wichtigste Gottesdiensthandlung im Islam ist.
– Die Bezeichnung des Gebets im Hadith als „Säule der Religion“ und im Koran als „Zeichen des Glaubens“ zeigt, dass das Gebet eine viel verdienstvollere, lohnendere und im Jenseits nützlichere Gottesverehrung als andere ist.
(vgl. die genannten Werke, einschlägige Stellen)
Mit Grüßen und Gebeten…
Islam im Dialog: Fragen und Antworten